Zeitungsartikel „40 Jahre mojo hand“ Weinheim
Band: Mit „mojo hand“ prägt Jürgen „Mojo“ Schultz seit fast 40 Jahren die regionale und überregionale Blues-Szene — bescheiden, vielseitig und tief verwurzelt.
Der Blues hat in Weinheim einen Namen
Von Margit Raven
Weinheim. Seit 1986 ist „mojo hand“ das Bluesprojekt des in Weinheim lebenden Musikers Jürgen „Mojo“ Schultz, der von Musikkritikern als einer der vielseitigsten und besten Gitarristen Süddeutschlands bezeichnet wird. Mit spielerischer Leichtigkeit wechselt er zwischen akustischen Resonator-Gitarren, Lapsteel und E-Gitarren. Dabei spannt er einen Bogen über das gesamte Blues-Spektrum: von den späten Zwanzigern bis in die heutige Zeit, vom Delta- und Chicago-Blues über Bluesrock bis hin zum Country-Blues.
Feste Besetzung und illustre Gäste
Zur festen Besetzung mit Bassist Konrad Fink, Schlagzeuger Matthias Huber und Bandleader Mojo stoßen gelegentlich geschätzte Gäste wie der Bluessänger Wins Dyer, der Saxofonist Uli Kammerer oder Albert Koch, der mit seiner Blues-Harp Geschichten erzählt.
Unsere Reporterin trifft Mojo Schultz an dem Ort, an dem der Blues in Weinheim zu Hause ist: im Muddy's Club. Mit dabei ist Bassist Konrad Fink, mit dem er seit über zwanzig Jahren in verschiedenen Formationen musiziert. Im Kontrast zur klirrenden Kälte draußen ist es im Club mollig warm.
Bescheiden trotz Anerkennung
Mojo, der in der Szene mit großen Namen des Genres verglichen wird, ist bekannt für seine Bescheidenheit. Ebenso erweist er sich als ausgesprochen sympathischer Gesprächspartner. In anheimelndem Kurpfälzisch erzählt er von seinen Anfängen, von einer Zeit, in der er selbst noch nicht genau wusste, wohin ihn die Gitarre einmal führen würde.
Er drückt mir eine CD in die Hand. „Die wurde vor zehn Jahren aufgenommen und präsentierte damals 30 Jahre ,mojo hand'.“ Darauf finden sich musikalische Wegmarken wie „Mojo Working“ von 1986, „Gotta Boogie Now“ von 1997, die Live-Aufnahme „Call Me The Breeze“ aus dem Jahr 2002 sowie das wunderbar poetische „Albatros“ von 2016.
Die Band „mojo hand“ in der heutigen Besetzung mit (von links) Matthias Huber (Schlagzeug), Wins Dyer (Gesang), Jürgen „Mojo“ Schultz (Gitarre) und Konrad Fink (Bass).
Bild: OLAF MÜLLER
Mojo unterteilt seine musikalische Laufbahn gern in nummerierte Phasen und bezieht dabei auch die verschiedenen Bands ein, die er durchlaufen hat. „Phase eins“ begann 1972, als er seinen ersten Gitarrenunterricht erhielt. Damals suchte er noch nach einer stilistischen Richtung, die zu ihm passte. Sehr schnell merkte er, dass volkstümliche Spielweisen fernab seines musikalischen Empfindens lagen. Anspruchsvoller wurde es, als er mit dem Jazz in Berührung kam. Besonders die Komplexität und das freie Improvisieren faszinierten ihn - Elemente, die bis heute seinen Stil prägen.
Der Weg zum eigenen Projekt
Eine Zeit lang spielte er in einer elfköpfigen Bluesband mit Bläsersatz. Die Formation nannte sich Owergass-Bluesband und war vor allem in der Speyerer Szene, seiner Geburtsstadt, präsent. „Musikalisch orientierten wir uns damals an der Joe-Louis- oder der Butterfield-Bluesband“, erinnert er sich. Zudem tourte er eine Zeit lang mit dem amerikanischen Bluesmusiker Little Willie Littlefield durch Deutschland.
Trotzdem wuchs in ihm der Wunsch nach einer kleineren Besetzung — einem eigenen Trio oder Quartett. In einem Club hörte er zufällig eine Bluesband, die seinem Stil entsprach, und gewann deren Harpspieler Norbert Häring für die Gründung einer eigenen Band. 1986 war es so weit: Zusammen mit Wolfgang Stadler (Bass) und Markus Grimminger (Schlagzeug) wurde die Bluesband gegründet, deren Besetzung sich - abgesehen vom Bandleader - in vier Jahrzehnten noch häufig ändern sollte. Die Idee zum Namen „mojo hand“ lieferte der gleichnamige Song des amerikanischen Bluesmusikers Hopkins. Darin beschreibt Hopkins die „mojo hand“ als einen afrikanischen Schutzzauber, der für Harmonie im Liebesleben sorgen soll.
Liebe, Musik und der Muddy's Club
Seine eigene Liebe traf Jürgen Schultz 1998 im Muddy's Club. Petra teilte nicht nur seine Faszination für den US-amerikanischen Musiker J.J. Cale, sie brachte auch den bauchigen Kontrabass in sein Leben. Als Duo „Die Schultzes“ lassen die beiden Blues, Rock 'n' Roll und Bluegrass durch die Weinheimer Musikszene pulsieren. Für die mojo hand-bluesband steht das Jahr 2026 ganz im Zeichen des 40-jährigen Bestehens: Geplant sind mehrere Konzerte mit illustren Gästen, darunter auch der mittlerweile in Berlin lebende Saxofonist Uli Kammerer. Bereits fest steht das offizielle Jubiläumskonzert am 18. Dezember 2026 im Muddy's Club.
Besonders freut sich Mojo über die geplante Studio-CD zum Vierzigsten. An der Produktion sind insgesamt zwölf Musiker beteiligt, darunter Wolfgang Stadler am Bass und Markus Grimminger am Schlagzeug — ein Line-up, das weitgehend der ursprünglichen Besetzung entspricht. Geplant ist ein Best-of-Album, das vier Jahrzehnte Bandgeschichte einfängt.
Für Jürgen Schultz ist diese Jubiläums-CD weit mehr als eine Rückschau: Sie steht für ein Stück gemeinsamer Identität und markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem musikalischen Weg von „mojo hand“.